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Prora - Seebad der Zwanzigtausend
Geschrieben von: Bernd Kleinhans
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| Seit 1994 steht „Prora" unter Denkmalschutz. Teilweise sind die Gebäude stark beschädigt und einsturzgefährdet. |
„Prora“, wie das Seebad auch genannt wurde, sollte dabei nur der Anfang zu einer gigantischen Urlaubsmaschinerie werden: Weitere Seebäder für jeweils 20.000 Menschen waren auch für Kolberg in Pommern, in Kiel-Travemünde und in Ostpreußen vorgesehen. Millionen von „Volksgenossen“ sollte so Urlaub an der See ermöglicht werden. Über das Stadium der Idee und der Vorentwürfe ist jedoch außer „Prora“ keines der Projekte hinausgekommen.
Bauherr war die „Deutsche Arbeitsfront“ (DAF) mit ihrer Unterorganisation „Kraft durch Freude“(KdF). Deren Führer Robert Ley gab im September 1935 auf dem Nürnberger Reichsparteitag der NSDAP erstmals die Planungen für das „Seebad der Zwanzigtausend“ auf Rügen bekannt. Als eigentlicher Schöpfer wurde in der Propaganda aber immer wieder Hitler präsentiert. Robert Ley: „Die Idee des Seebades ist vom Führer selbst. Da der deutsche Arbeiter sich in den vorhandenen Bädern nicht vollständig wohlfühlt, soll hier ein neues Riesenseebad mit 20.000 Betten errichtet werden.“
Bereits im Juli 1935 wurde auf Rügen 560 Hektar Fläche für den Bau erworben. Die Organisation „Kraft durch Freude“(KdF) bezahlte dafür allerdings nichts. Der Eigentümer, Fürst Malte zu Putbus, musste sein Land zum Ausgleich für eine angebliche Steuerschuld abtreten.
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| Rund 4,5 Kilometer ziehen sich die sechsgeschossigen Bauten die Küste der „Prorer Wiek“ entlang. |
Sein Entwurf sah eine Kette von 8 miteinander verbundenen Unterkunftsgebäuden vor. Ein zentraler, 600 Meter breiter Festplatz gliederte den Monumentalbau in einen Nord- und in einen Südabschnitt. Zwischen den Unterkunftsgebäuden waren Gemeinschaftshäuser geplant, die weit zum Ufer vorgebaut werden sollten und deren abgerundete Form zu den viereckigen Wohnkästen kontrastierte. In diesen Gemeinschaftshäusern sollten Speisesäle und Gruppenräume untergebracht werden.
Ein im Februar 1936 ausgeschriebener Wettbewerb, bei dem sich 10 weitere Architekten beteiligten, führte nur zu geringfügigen Änderungen des ursprünglichen Entwurfs: Im Zentrum der gesamten Anlage war nun eine riesige Festhalle vorgesehen, in der die Urlauber zu künftigen NS-Großveranstaltungen zusammenkommen sollten.
„Prora“ sollte nicht nur das größte Seebad seiner Zeit werden, sondern auch das modernste: Alle Zimmer waren mit Seeblick geplant. Mit einer Größe von rund 2,5x4,75 Meter waren sie für damalige Verhältnisse recht groß und mit zwei Betten, Tisch, Schrank und eigenem Waschbecken komplett ausgestattet. Für die Zimmer waren Zentralheizungen vorgesehen, um sie bis in den Herbst hinein nutzen zu können. Zwei komplette Schwimmhallen mit Wellenanlagen sollten bei schlechtem Wetter das Baden in meeresähnlicher Umgebung ermöglichen. Mehrere Kinderhorte, Lese- und Spielräume, Kegelbahnen und Billardräume waren vorgesehen ebenso wie Restaurants, Lokale, Theater und Kinos.
Grundsteinlegung war am 2. Mai 1936. Es war der dritte Jahrestag der Zerschlagung der freien Gewerkschaften in Deutschland. Nicht diese, sondern der NS-Staat, so die propagandistische Botschaft, habe sich wirklich um die Arbeiter gekümmert. „Die Seebäder werden unter all den zahlreichen Errungenschaften der DAF Beweis dafür sein, welche Triumphe der neue deutsche Gemeinschaftsgeist feiert“, so die DAF-Zeitschrift „Arbeitertum“. Mit dem schnellen Baubeginn wollte man auch Entschlossenheit und Tatkraft des NS-Staates demonstrieren. „Tempo,Tempo ist die Parole des Tages“, so das „Arbeitertum“.
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| Teilweise werden die „Prora-Gebäude“ heute für Museen und Kulturveranstaltungen genutzt. |
Wie viele Arbeiter gleichzeitig an der Baustelle tätig waren, lässt sich aufgrund der widersprüchlichen Angaben in den Quellen nicht mehr genau rekonstruieren. Mehrere Tausend waren es in jedem Fall, die Propaganda sprach sogar von bis zu 15000.
Mit Ausbruch des Krieges am 1. September 1939 wurden auch die Arbeiten am KdF-Bad unterbrochen, Rüstungsbauten wie der „Westwall“ hatten jetzt Vorrang. Nach den ersten Blitzkriegerfolgen wurde - stark vermindert - weitergebaut, bis die Arbeiten im Kriegswinter 1942/43 endgültig eingestellt werden mussten. Fast die kompletten Rohbauten waren bereits bis zum Kriegsbeginn fertiggestellt worden. Sie sind größtenteils bis heute erhalten geblieben. Seit 1994 steht der gesamte Komplex unter Denkmalschutz.
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Literatur
Fromann, Bruno: Reisen im Dienste politischer Zielsetzugen. Arbeiter-Reisen und „Kraft durch Freude“-Reisen , Diss. Stuttgart 1992
Pesch, Franz (Hg.): Prora. Seebad der Zwanzigtausend. Ideen für einen vergessenen Ort, Stuttgart 1998
Rostock, Jürgen / Zadiniček: ParadiesRuinen. Das KdF-Seebad der Zwanzigtausen auf Rügen, 6. Auflage Berlin 2001
